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Grundlagen ERP / PPS

Der Begriff Enterprise Resource Planning (ERP) beschreibt die Aufgabe unternehmensintern sowie -übergreifend den Einsatz der vorhandenen Ressourcen (u.a. Kapital, Personal, Betriebsmittel) effizient zu planen und zu steuern. Die für diese Aufgabe eingesetzten ERP Systeme bilden das informationstechnische Rückgrat der Unternehmung, indem sie ergänzend zum Kernstück, der Produktionsplanung und -steuerung (PPS), sämtliche weiteren relevanten Bereiche des Unternehmens integrieren und die entsprechenden Geschäftsprozesse unterstützen.

Aufgabenmodell der Produktionsplanung und -steuerung ( ERP / PPS)

Der Begriff der Produktionsplanung und -steuerung (PPS) als Kernstück des ERP wurde bereits Anfang der 1980er-Jahre geprägt, um Material- und Zeitwirtschaft in der produzierenden Industrie unter einem übergreifenden Konzept zusammenzufassen. Erstmalig hatte Hackstein für den Begriff der Produktionsplanung und -steuerung in seinem gleichnamigen Buch eine breit akzeptierte Definition geliefert. Zielobjekt der PPS war danach die gesamte Produktion inklusive der indirekt beteiligten Bereiche wie etwa der Konstruktion. In der Folge wurde der PPS Begriff ständig erweitert. Nach diesem erweiterten Verständnis wurde PPS so verstanden, dass sie die gesamte technische Auftragsabwicklung von der Angebotsbearbeitung bis hin zum Versand umfasste. Ihre Planungs- und Steuerungsaufgaben berührten dabei die Bereiche des Vertriebs, der Konstruktion, des Einkaufs, der Fertigung und Montage sowie des Versands. Im Rahmen des fließenden Übergangs zu ERP Systemen, wurden schließlich Querschnittsbereiche wie Controlling sowie Finanz- und Rechnungswesen hinzugefügt.

Logistische Funktionen von ERP / PPS Systemen

In diesem Sinne ist die Weiterentwicklung von PPS zu ERP Systemen ebenso wie die Integration des SCM (Supply Chain Management) offensichtlich ein logischer Schritt auf dem Evolutionspfad von der Mengen- und Kapazitätsplanung in der Fertigung über die Einbeziehung der vor- und nachgelagerten Bereiche wie Beschaffung oder Vertrieb bis hin zur Darstellung und Unterstützung der kompletten Auftragsabwicklung entlang der gesamten Lieferkette. Im Zentrum steht aber nach wie vor die Beplanung der Ressourcen und Produktionsprozesse wie sie schon im ursprünglichen PPS Begriff erfasst war. Dementsprechend behält das Kürzel PPS seine prägende Bedeutung für in produzierenden Unternehmen eingesetze ERP Systeme. Dieser Tatsache Rechnung tragend werden ERP Systeme für produzierende Unternehmen auch als ERP / PPS Systeme bezeichnet.

Die fortwährende Weiterentwicklung der PPS zielt darauf ab, bis dahin vernachlässigte Ursache-Wir­kungs­zusammenhänge bei der Produktionsplanung und bei der Umsetzung der Planung in der Produktion zu berücksichtigen. Aktuelle Innovationen bestehen einerseits in der Neuentwicklung von Strategien und Ver­fahren der PPS und andererseits in der Unterstützung der unternehmensübergrei­fenden Zusammenarbeit mit Kun­den und Lieferanten sowie der Produktion im Netzwerk. Die PPS stellt dabei die maßgeblichen funk­tionalen Anforderungen an die betrieblichen Anwendungssysteme, insbesondere ERP / PPS-Systeme.

Anwendungssysteme im Umfeld von ERP / PPS

ERP Anwendungs Software

Für die Planung und Steuerung der Produktion gibt es PPS Systeme, die insbesondere Funktionen der Material-, Zeit- und Kapazitätswirtschaft auf Basis von Stücklisten und Arbeitsplänen beinhalten (vgl. Geitner 1997, S. 365). Für die Materialwirtschaft wurde in den 60er Jahren das Material Requirements Planning (MRP) entwickelt, bei dem die Sekundärbedarfe von Produkten per Stück­listen­auflösung und die Nettobedarfe durch den Abgleich mit Lagerbeständen ermittelt werden. Mit der Weiterentwicklung zum Manufacturing Resource Planning (MRP II) können jetzt darüber hinaus zum Beispiel Fertigungsaufträge terminiert, wirt­schaftliche Fertigungs- und Montagelose gebil­det und Arbeitsgänge auf Kapazi­täten eingeplant werden. Durch diese Funktionalitäten werden die Zeit- und die Kapazitätswirtschaft unterstützt.

Zu den PPS Systemfunktionen sind weitere Funktionsbereiche, wie z.B. das interne und externe Rech­nungswesen und die Personalwirtschaft, hinzugekommen. Informationssysteme, die durchgängig die Auf­gaben der technischen und kaufmännischen Auftragsabwicklung unterstützen, werden als Enter­prise Resource Planning ERP Systeme bezeichnet. ERP Systeme werden definiert als „integrierte Soft­ware­lösungen, bestehend aus mehreren Modulen, wie z.B. Produktionsplanung und ‑steue­rung, Materialwirtschaft, Finanzbuchhaltung, Personalabrechnung, Logistik, die mit einer zentralen Daten­bank verbunden sind“ (Stotz 2001, S. 32).

Im Umfeld der ERP-/PPS-Systeme existieren weitere betriebliche Anwendungssysteme, zu denen Schnitt­stellen bestehen. Entsprechend den Geschäftsprozessen in Fertigungs­unternehmen werden Informationssysteme für das Engineering (Produktentwicklung) und die Logistik (Auftragsabwicklung) unterschieden (vgl. Scheer 1995, S. 87).

Im Engineering werden die Produkte des Unternehmens mittels Computer Aided Design (CAD-) Systemen entwickelt. Als Ergebnis liegen Konstruktionszeichnungen und Stücklisten vor, die zumeist in einem Engineering und Product Data Management (EDM‑/PDM‑) System verwaltet werden. Die zeichnungsbezogenen Stücklisten eines Produkts werden zu einer Stücklistenstruktur verknüpft und in Verbindung mit den Zeichnungen nach Schlagworten, z.B. Produktbezeichnung, Sachmerkmalen, Baugruppen und Produktgruppen, abgelegt. Das Engineering bzw. die Produktentwicklung liefert somit die Stammdaten für die Informationssysteme der Auftragsabwicklung.

Nach dem Anlegen, Ändern oder Freigeben eines Produkts zur Produktion werden die Stücklisten an das ERP System über­geben. Das ERP System unterstützt durchgängig die Aufgaben der Auftragsabwicklung. Im Rahmen der Auftragsabwicklung werden Kundenaufträge verwaltet, Material disponiert sowie Produktionsprozesse geplant und gesteuert. Abschließend werden die Kunden- und Fertigungsaufträge kosten-, mengen- und terminbezogen abgerechnet.

Die ERP Systeme und weitere Systeme der Auftragsabwicklung können nach den Ebenen der Produktionsplanung und ‑steue­­rung unterschieden werden. ERP Systeme werden für die Produktionsplanung und ‑steue­­rung eines oder mehrerer Standorte eingesetzt. Werden erweiterte Planungsfunktionalitäten für verteilte Standorte und Produktionsnetzwerke benötigt, kann ein Supply Chain Management (SCM-) System zum Einsatz kommen. SCM-Systeme unterstützen die Aufgaben der übergreifenden Netzwerkplanung auf einer groben Bedarfs-, Termin- und Kapazitätsebene. Sie liefern Planungsvorgaben für die untergeordneten Ebenen der PPS. 

Reichen die Möglichkeiten zur Feinplanung, Simulation, Optimierung und Überwachung der Produk­tion im ERP System nicht aus, kann zudem ein Manufacturing Execution System (MES) z.B. als Addon-Lösung verwendet werden. Das MES übernimmt grob terminierte Fertigungsaufträge aus dem ERP System, unterstützt die Feinplanung und ‑steuerung und meldet die Fertigstellung der Fertigungsaufträge anschließend zurück. Die Kommunikation zwischen MES bzw. ERP System und der Produktion wird durch Systeme der Maschinen- bzw. Betriebsdatenerfassung (MDE/BDE) unter­stützt.

Die Ausführungen zeigen, dass die betrieblichen Anwendungssysteme zum einen Schnittstellen untereinander und zum anderen Überschnittsbereiche besitzen. ERP Systeme lassen sich damit nicht eindeutig von anderen betrieblichen Softwarelösungen abgrenzen. Einen möglichen Ansatz zur Definition von ERP Systemen liefert die nachfolgende Beschreibung von Funktionsmodulen und Funktionalitäten. Die Kenntnis über die Funktionalitäten von ERP Systemen ist für deren nutzen­orientierten Einsatz in Ferti­gungs­unternehmen von Bedeutung. Funktionalitäten werden aus diesem Grund für die Bewertung und Aus­wahl von Standard ERP Systemen herangezogen.

Die Funktionalitäten von ERP Systemen lassen sich aus den Anforderungen der Produktionsplanung und -steuerung, wie diese durch das Aachener PPS-Modell beschrieben werden, ableiten. Im Aachener PPS-Modell werden Kernaufgaben und Querschnittsaufgaben der PPS unterschieden, die durch Systemfunktionalitäten zu unterstützen sind. Des Weiteren ergeben sich Funktionsanforderungen aus der Erweiterung der PPS zum ERP, wie z.B. für die Bereiche Versand, Service und Montage.

Literatur:

Hackstein, R.:   Produktionsplanung und ‑steuerung (PPS). 2. Auflage. Düsseldorf 1989.

Stotz, H.: 8600 Unternehmen gaben Auskunft. In: Computer@Production (2001) 2, S. 32.

Scheer, A.-W.: Wirtschaftsinformatik. Springer-Verlag, Berlin u.a. 1995

 

(Quelle:  Marktspiegel Business Software – ERP/PPS 2009/2010. Trovarit AG, Aachen 2009)

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